Wenn ein Bahnhof aus dem Nichts auftaucht

Mein Brief an die BLS.

Sehr geehrte Damen und Herren

Wie Sie Ihre Bahnhöfe erziehen, ist ja grundsätzlich Ihre Sache und ich möchte mich da auch nicht direkt einmischen. Was ich heute Morgen aber miterleben musste, geht allerdings gar nicht. Gefährliche Tendenzen, auf die ich Sie hinweisen muss!

Mir ist nicht bekannt, wo sich der an sich niedliche Bahnhof Rubigen normalerweise aufhält. Heute Morgen, ziemlich genau um 7:28 Uhr hatte er sich aber einen äusserst fiesen und durchaus gefährlichen Spass erlaubt. Wahrscheinlich in vollem Bewusstsein, dass eine S-Bahn sich in rasantem Tempo näherte, sprang der Kleine mit einem Satz gefährlich nahe ans Bahngleis. Offensichtlich überrascht oder gar geschockt von dieser Aktion, schaffte es der von Thun Richtung Bern fahrende Lokführer nur mit viel Glück und Geschick, wie es nur BLS-Lokführer hinkriegen, die S-Bahn noch rechtzeitig zum Stillstand zu bringen. Alle mit mir in nächster Nähe anwesenden atmeten, wenn auch betroffen von der Situation, sichtlich erleichtert auf. Immerhin ist der kleine Bahnhof noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen.

An dieser Stelle sei ein Dickes Lob an den Lokführer. Ohne seinen heldenhaften Einsatz hätte die Situation für den Bahnhof Rubigen deutlich weniger gemütlich ausgehen können. Ein weiteres Mal darf das nicht vorkommen! Darf ich Sie auffordern, Ihrem Bahnhof einmal ins Gewissen zu reden?

Vielen Dank für Ihre Kenntnisnahme.

+++ UPDATE vom 20. April 2011+++

Antwort des BLS-Kundendiensts

Guten Tag Herr […]

Danke, dass Sie uns über dieses fiese Verhalten des Bahnhofs Rubigen informiert haben. Wir mögen es nämlich gar nicht, wenn Bahnhöfe derart ungehorsam sind.

Gerne haben wir den Lokführer, der mit der betreffenden S1 um 7.28 Uhr in Rubigen einfuhr, gefragt, wie er denn das Verhalten des kleinen Bahnhofs erlebt hat.

Unser Mitarbeiter war sich nicht bewusst, an diesem Morgen auffällig stark gebremst zu haben. Dank Ihrer – für uns im Kundendienst aufstellenden und motivierenden – Rückmeldung konnte er dies zur Kenntnis nehmen.

Die knappen Fahrzeiten verlangen von unserem Lokpersonal einen zügigen Fahrstil – nur so können während den Hauptverkehrszeiten unsere Züge pünktlich unterwegs sein. Bereits ein um 20 Sekunden verspäteter Bremsbeginn führt zu einem um rund 20 Meter verschobenen Halteort. Dementsprechend muss die Bremskraft verstärkt werden, damit der Zug überhaupt am Perron zum Stillstand kommt.

Für den Schrecken bitten wir Sie um Entschuldigung und hoffen, mit diesen Zeilen Ihr Vertrauensverhältnis zum Bahnhof Rubigen wieder hergestellt zu haben.

[…]

Wir freuen uns, Sie zu unseren treuen Kunden zählen zu dürfen.

Freundliche Grüsse

Das nenn’ ich vielleicht Kommunikation! Ich hatte ja gehofft, man würde meine Worte verstehen und ernst nehmen, wagte aber nicht zu erwarten, dass sie dermassen gut ankommen würden. Die Antwort im ähnlichen Stil hat mir sehr gefallen — und meine Sicht auf die BLS wenigstens ein Stück weit verbessert…